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Das Desaster um die Corona-Ampel zeigt eine der vielen Problematiken der Coronakrise: Experten, deren Sichtweise auf Viren bildlich durch Mikroskope geprägt ist. Diese werden für weitreichende Entscheidungen herangezogen, um etwa Ampelmaßnahmen zu definieren. Dabei liegen die Auswirkungen dieser Entscheidungskriterien weit über Kenntnissen und Interessen der Beteiligten. Heraus kommt dann eine völlige realitätsferne Fragmentierung mit diversen Maßnahmen in einzelnen Bezirken. Ohne Rücksicht auf soziale, wirtschaftliche und kulturelle Verzahnungen. Das konnte von Anfang an nicht funktionieren.
Keinem verantwortungsvollen Entscheidungsträger würde einfallen, Wirtschaftswissenschaftler*innen oder Physiker*innen in Gesundheitsfragen zu Rate  zu ziehen. Doch im Umkehrschluss können und dürfen Virolog*innen keine Entscheidungen über Maßnahmen bei Schulen, Geschäften und Kulturleben treffen. Denn sie können es nicht!
Beweis dafür ist gerade die Corona-Ampel. Wer ernsthaft empfiehlt, in einem Bezirk bestimmte Einschränkungen einzuführen, in den umliegenden Bezirken aber nicht, lebt in einer mathematisch hochgerechneten Epidemiologenwelt, statt in der Realität! Nach dazu, wenn die Entscheidungskriterien schwer bis unmöglich nachvollziehbar sind und schlussendlich, gegen Versprechungen des Gesundheitsministers, am Ende einzig durch die Politik bestimmt werden.
Die Fragmentierung Österreichs in winzige Einheiten, um hier transparente Abbildungen eines Gesundheitsrisikos zu schaffen, ist gut gemeint. Aber nicht gut! Pendel- und Ausflugsverkehr, Verwandtenbesuche u.v.m. hätten schon von Beginn an dieses Vorhaben problematisch erscheinen lassen müssen. Trotz der geplanten Möglichkeit, ganze Bezirke unter Hausarrest und Ausgangssperre stellen zu können. Was meines Erachtens auch der einzige logische Zweck dieser Kleinteiligkeit ist. Die Konsequenzen in gelber und oranger Farbe vor dem totalen Lock-Down in Rot hat aber offenbar keiner bedacht.
Der Ampelstart ohne gesetzliche Grundlage zeigt zudem das politische Versagen. Nun kennt sich niemand aus. Die Verwirrung wandelt sich langsam in Verärgerung. Nur den Corona-Skeptikern wird hier, unter heftiger Mithilfe von Kurz und Anschober, Munition für ihre Pandemie-Relativierung geliefert. Nach nicht einmal zwei Wochen ist die Corona-Ampel nachhaltig beschädigt und somit wertlos.
Und die beteiligten Fachleute sollten überlegen, ob sie sich nicht nur vor einen politischen Marketing-Karren spannen haben lassen. Ein Karren, der die Ratlosigkeit der Regierung über steigende Positiv-Tests im Verhältnis zur Vermeidung von Einschränkungen mit willkürlich adaptierten Ampelfarben kaschieren sollte.

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