Langes Warten, schnelle Verschwörungstheorien

Die Neuregelungen der Wahlkarten nach der unwürdigen Anfechtung der Präsidentschaftswahl durch die FPÖ birgt neues Potential für Verschwörungs-Propaganda. Womöglich nicht nur von rechts. Denn am Abend des 15.10. wird es kein Endergebnis geben.

Diesmal erfolgt die Auszählung der Wahlkartenstimmen in mehreren Etappen. Ein paar schon am Sonntag, sofern diese im eigenen Wahlkreis abgegeben wurden.
Der Rest entweder am Montag (klassische Briefwahl) oder, noch später, am Donnerstag. Da werden erst Wahlkarten und Briefwahlkarten gezählt, die in fremden Wahlkreisen gelandet sind. Es dauert nämlich, bis die ganzen Kuverts zwischen den 39 Wahlkreisen herumgeschickt werden (Grund dafür ist auch die dem jeweiligen Bewerber im Regionalwahlkreis zugutekommende Stimme).
Im Grunde alles juristisch-technische Belange, die bisher niemanden wirklich interessierten und auch kein Problem waren. Auch nicht für die FPÖ im ersten Durchgang der Präsidentenwahl, wo der Ingenieur klar vorne lag. Aber was soll’s, nun sollen solche Anfechtungen verunmöglicht werden.
Der Preis dafür: um 17 Uhr gibt es keine valide Hochrechung mehr (weil keine Ergebnisse vorweg an das Institut geliefert werden dürfen). Am Abend könnte es bei knappen Abständen ebenso kein Ergebnis geben. Dann vielleicht montags am Abend.
Wenn alles blöd läuft (abhängig von der Anzahl der Briefwähler und Wahlkarten) wird womöglich erst ein endgültiges Ergebnis am Donnerstag bereitstehen. Das ist bei prognostizierten Werten der Kleinparteien um die 4-5% nicht egal!
Und öffnet allen Verschwörungstheorien Tür und Tor!
Von rechts ist man das ja eh gewohnt. Wieder werden sich die altbekannten Skeptiker der recht(s-extrem)en FPÖ und ihre Geistesverwandten kritisch bis ablehnend zu Wahlkarten äußern!
Aber diesmal könnten auch Theorien jenseits der FPÖ-Versionen die Runde machen. Man stelle sich vor, Kern liegt nur einen Prozentpunkt hinter Kurz. Oder umgekehrt. Und am Donnerstag ist das dann anders!
Treten dann auch andere Politiker auf und schwadronieren unverantwortlich über „das immer schon ein bissl komische Auszählen bei den Wahlkarten“? Oder eine Kleinpartei ist am Sonntag knapp über der 4% Hürde, am Donnerstag dann nicht mehr.
In Wahrheit ein Super-Gau!
Auf jeden Fall schadet das der Demokratie und verunglimpft faire, freie und sicherlich völlig reguläre Wahlen!

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