Blödes Reden, Teil 2: Gegen das System sein!

Immer öfters höre ich sehr schlichte Menschen davon reden, dass sie „gegen das System“ sind und sich „gegen das Establishment“ entscheiden. Aber was, bitte schön, meinen sie damit, denn sie sind im Normalfall selbst Teil davon.

„Das ganze Scheiß-System kotzt mich so an!“, klagte vor einigen Wochen ein sehr einfältiger Mensch beim Hausarzt, während er sich sein Rezept holte. Offenbar meinte er wohl nicht die Gesundheitsvorsorge. Oder sprach er vielleicht vom Kanalsystem, dem öffentlichen Verkehrs- oder Schulsystem?
Nein, er meinte die Ausländer!
Weil die nehmen ihm speziell was weg. Was genau, kann er nicht sagen. Denn weniger Pension, Gehalt oder Mindestsicherung bekommen die Leute ja wegen ein paar tausend Asylwerbern nicht. Anders lautende Meldungen dazu sind einfach nur gelogen und rechtsradikale Propaganda auf Facebook. Offenbar geht es um Arbeitsplätze. Die von Flüchtlingen aus Syrien z.B. gar nicht angenommen werden können und dürfen. Aber es scheint, dass die Karriere als Abwäscher für Österreicher stark unter ausländischen Konkurrenzdruck gekommen ist. So wie Jobs in der Altenpflege und bei den städtischen Gärtnereien.
Auf jeden Fall nimmt das „Establishment“ ihre Sorgen und Ängste nicht wahr, meinen diese Menschen! Ich sage es zum wiederholten Mal: oftmals zu Recht!
Das Establishment ist nicht Schuld, wenn jemand niemals etwas Gescheites gelernt, sich nicht um Bildung gekümmert hat und nun ohne Zukunftsperspektive ist!
Das System hat nicht Schuld an einer niedrigen Pension, wenn jahrelang nur geringe Beiträge (aus welchen Gründen auch immer) eingezahlt wurden.
Das System ist sehr wohl verantwortlich, dass ein gescheiterter Hilfsarbeiter bei Arbeitslosigkeit (bei ausreichenden Beitragsmonaten) nicht ohne Arbeitslosengeld, Notstandshilfe,  Mindestsicherung oder Versicherung dasteht!
Das Establishment ist schuld daran, dass in Österreich die Öffis halbwegs pünktlich fahren, Löhne ausbezahlt werden, die Verwaltung großteils funktioniert und Menschen Strom, Wasser und Kanalanschluss haben!
Leute sind „gegen das System“, sitzen aber in ihren Eigentumshäusern und haben es sich mitten im „System Österreich“ durchaus gemütlich gemacht. Wenn da nicht diese Ärgernisse wären: Ausländer, die noch viel reicheren Nachbarn, die falsche Gesundheit oder das fehlende Verständnis für die sich ändernde Welt herum.
„Gegen das System“ steht als Synonym für eine Unzufriedenheit in einer Wohlstandsgesellschaft, die aus dem Gefühl resultiert, permanent irgendwie zu kurz zu kommen oder übervorteilt worden zu sein, meistens aus eigener Schuld! Zusätzlich ist das alles noch gepaart mit der Angst vor den Konsequenzen konstanter Verweigerung: zur Weiterbildung, zum Entdecken, zum Genießen, zum Leben. Der teilweise wirklich unglaubliche Hass, der den sogenannten „Gutmenschen“ von rechter Seite (vor allem FPÖ-Fans) entgegenprallt, ist womöglich nur der Neid auf deren zufriedenes, halbwegs harmonisches und befriedigendes Leben. Etwas, was die Neider womöglich niemals haben werden.
Warum sind wirklich zufriedene Menschen so selten rechtsradikale Hetzer?
Darüber muss nachgedacht werden!

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