Brexit: Reisende sollen nicht aufgehalten werden

Eine Mehrheit der Engländer und Waliser hat der britischen Regierung den Auftrag zum Austritt aus der EU erteilt. Schlecht für Europa, noch schlechter für UK. Aber nun können wir ja alle live mit ansehen, was weiter geschehen wird.

Mal Hand aufs Herz: einer der größten Problembären innerhalb der EU wird nun auf eigenen Wunsch ausgewildert. UK hat sich in 43 Jahren nicht auf gemeinsame Spielregeln mit dem Kontinent auslassen wollen und können. Extrawürste kamen vor allem von der britischen Insel. Sollen sie nun ihr Heil in der neugewonnenen und von Nationalisten frenetisch akklamierten Unabhängigkeit suchen. Europa wird es, trotz aller Unannehmlichkeiten, verkraften. Premierminister Cameron (der noch heute seinen Rücktirtt angekündigt hat), auf jeden Fall, wird wohl tatsächlich in die Geschichtsbücher eingehen: als Mann, der aus innenpolitischer Ratlosigkeit und Schwäche heraus die EU in eine Sinnkrise gestürzt und das Vereinigte Königreich nach über 200 Jahren zerstört hat.
Interessant werden die Auswirkungen auf die Engländer jedenfalls. Denn erstens einmal werden wohl die EU-freundlichen Schotten ein neues Unabhängigkeitsreferendum durchführen und das Vereinigte Königreich damit verlassen. Dasselbe wird zu einem hohen Prozentsatz auch in Nordirland passieren. Wie wird die EU dann mit diesen neuen Staaten verfahren? Das wird juristisch und europapolitisch sehr spannend.

      Stürzt das Pfund Sterling endgültig ab? Wie lange? Der Kursverlust in den letzten Stunden war dramatisch. Erholt sich das Sterling nicht rasch, werden die ersten negativen Auswirkungen die Brexit-Befürworter schon Anfang Juli beim Einkauf im Supermarkt bemerkbar werden!
      Wird der Exodus der internationalen Konzerne aus Großbritannien tatsächlich stattfinden? Und werden die Briten nun, ähnlich wie die Schweizer, viele Vorgaben der EU einfach schlucken müssen, ohne auch nur einen Punkt mitbestimmen zu können? Oder werden sich die Briten (mit einem Handelsvolumen von rund 60% mit der EU) abwenden und ihre ökonomische Zukunft im Commonwealth suchen. Oder in China? Den USA?
      Und eine kleine Zahl am Rande: eine überwiegende Mehrheit der unter 30 Jährigen haben für „Remain“, also den Verbleib von GB in der EU votiert – nicht nur in London und Schottland!

Der Brexit wird große Unruhe in die EU bringen. Rechts(radikale) Politiker werden allerorts nach ähnlichen Referenden kreischen. Jetzt sind die Verfechter der europäischen Idee endgültig gefordert! Endlich den Leuten zu erklären, warum es nicht nur gut, sondern unabdingbar notwendig ist, ein EU-Staat zu sein. Warum es nicht mehr wie bis in die 80er Jahre des letzen Jahrhunderts läuft in der Welt.
Dass innerhalb der EU mehr Vernunft und Bürgernähe durchzusetzen an der Zeit wäre. Dass die EU nicht, aus welchen Gründen immer, Dinge beschließt, die ihr einige Jahre später auf den Kopf fallen.
Schließlich hat der Brexit einen großen Vorteil: die Köpfe der EU können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Es muss eine große Veränderung kommen, größer als Maastricht, grundlegender als Lissabon, grundsätzlich wie die Römischen Verträge. Ein Herumlavieren muss endlich enden.

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