Pamelas Hindernisse am Steigflug

Beim Sommergespräch legte Pamela Rendi-Wagner ihren bisher besten Auftritt als Spitzenkandidatin hin. Doch der erhoffte Steigflug aus dem roten Jammertal wird für sie durch drei Problembereiche stark verzögert: sie ist eine Frau, die Wahl kommt 18 Monate zu früh und die SPÖ weiß im Grunde immer noch nicht, welche Kernkompetenzen erfüllt werden sollen!
Zunächst einmal bleibe ich bei der Einschätzung aus dem letzten September: ich halte Rendi-Wagner für völlig befähigt, die roten Genossen zu führen. Link zu meinem Blog-Eintrag! Sie zeigt die neue Generation der Sozialdemokratie: eine beruflich kompetente sowie erfolgreiche Frau, die mit beiden Beinen im tatsächlichen Leben steht.
Das ist sogleich auch ihr erstes und größtes Problem: sie ist eine Frau!
Auch bei den SPÖlern haben sich viele noch nicht an eine weibliche Chefin gewöhnt. Wie viele Frauen in der Politik muss sich Rendi-Wagner mit Kritikpunkten herumschlagen, die einem Mann niemals an den Kopf geworfen werden. Auch greise Schauspielerinnen würden einen Mann niemals als „total verblödet“ bezeichnen. So glaubt Frau Salomon in der ZIB2 nicht, dass Pamela ein Cordon Bleu isst. In ihren Artikeln im Kurier habe ich noch nie gelesen, dass sich Frau Salomon Gedanken darüber macht, ob Kurz so schlank ist, weil er nur Salatblättchen als Nahrung zu sich nimmt. Ein besonders trauriger Aspekt, denn ausgerechnet Frauen sind weiblichen Politikerinnen so extrem kritisch gegenüber. Allerdings in Bereichen, die völlig irrelevant sind. Kein männlicher Politiker mit Body-Mass-Index über 100 hat sich schon jemals dafür rechtfertigen müssen, warum er „so blad“ ist!
Pamela Rendi-Wagners zweites Problem: Die Wahl kommt gute 18 Monate zu früh!
Mit den Startschwierigkeiten als erste Frau in einer sehr traditionellen Partei auf Funktionärsbasis hätte sie ohnehin zu kämpfen. Immerhin hat sie der mittlerweile ungeliebte Kern in die Politik geholt. Rendi-Wagner hat in Rekordzeit die Bundesländer abgeklappert, sich bei der vielzitierten SPÖ-Basis gezeigt. Doch es ist auch plötzlich Wahlkampf. Eigentlich viel zu wenig Zeit für die Neue, eine eigenständige Linie zu etablieren. Zu wenig Zeit, um den Umgang mit Medien ausreichend zu üben. Wobei Pamela dabei besser wird, wie im Sommergespräch auch zu sehen war. Trotzdem muss sie sich noch mit Fragen von JournalistInnen herumschlagen, die sie zwei Jahre später in dieser Art und Weise nicht mehr gestellt bekommen würde. Sie kennt Wahlkampf zwar schon aus dem 2017er Jahr. Doch als Spitzenkandidatin ist das was ganz anderes. Anbetracht der kurzen Zeit denke ich aber, sie macht ihre Sache gut. Und ich finde nicht, Pamela Rendi-Wagner hätte ein Authentizitäts-Problem!
Das dritte Problem ist die Themenlage der SPÖ.
Pamela Rendi-Wagner schlägt sich damit herum, dass die SPÖ auch unter ihrer Führung noch zu wenig Zeit hatte, wesentliche thematische Pflöcke einzuschlagen. „Menschlichkeit“ ist nett. Aber es fehlen die wirklich griffigen Aussagen. Mindestlohn, Klima oder Mieten sind schon in Ordnung. Die Themen Pflege und Bildung gehören laut und deutlich ausgesprochen. Das ist aber kein Problem der Spitzenkandidatin, sondern eines der SPÖ, die seit dem Jahr 2000 im Grunde nicht weiß, wofür sie ganz konkret steht!
Von allen Parteianhängern sind die roten Genossen die am wenigsten Optimistischen. Warum eigentlich? Weil sie eine Frau an der Spitze haben? Ich denke nicht. Ich glaube eher, auch den langsamsten FunktionärInnen dämmert es, dass die letzten 15 Jahre thematisch völlig verschlafen wurden. Der erhoffte Wunderwuzzi Kern hat so gar nicht funktioniert. Da ist die Stimmung auch nicht so euphorisch bei seiner Nachfolgerin. Was auf potentielle Wähler abstrahlt. Nur in Wien scheint es bisher halbwegs für die SPÖ zu laufen. Das ist aber bei Bundeswahlen (oder bei der EU-Wahl) zu wenig. Am 29. wird sich zeigen, wie die Mobilisierung bei der eigenen Partei bundesweit funktioniert!
Pamela Rendi-Wagner hat eine kleine Chance, in den kommenden Wochen noch zwei nicht irrelevante Gruppen zu überzeugen: berufstätige Frauen mit Familie, die sich von den rechts-rechten Familienmodellen nicht übertölpeln lassen wollen. Und Menschen beiderlei Geschlechts, die ihr eine Chance geben wollen, zu zeigen, wozu sie selbst und die SPÖ fähig sind. Denn nur durch einen persönlichen Erfolg kann Rendi-Wagner ihre Vorstellungen in die SPÖ tragen und auch gegen die gekränkten Alpha-Männchen umsetzen. Aus meiner Sicht hat es Pamela Rendi-Wagner durchaus verdient. Aber das wird nicht einfach werden, Personen wie mich zu überzeugen, bei ihr das Kreuzerl zu machen!

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