Bald wieder wählen?

Die Nationalratswahl 2019 hat einen grandiosen Wahltriumph der Grünen, eine gehörige Watschen für rotes Wischi-Waschi-Zaudern, eine immer noch viel zu hohe Zustimmung für die FPÖ, ein passables Ergebnis für NEOS und hohe türkise Zugewinnen fast ausschließlich aus der freiheitlichen Konkursmasse gebracht.  Der „demütige“ Wahlsieger Kurz stellt noch am Wahlabend klar, dass es nur nach seinen Spielregeln laufen soll. Pyrrhussiege beginnen mit solcher Hybris. Baldige Neuwahlen ebenfalls!
Demut ist neben einem Wort auch eine Eigenschaft. Keine, die eine Person wie Kurz besitzt. Schon gar nicht gegenüber Nicht-Kurz-Wählern. Die braucht es aber, um erneut Kanzler zu werden. Doch da scheint es kräftig zu hapern. Nur wenige Stunden nach den Ergebnissen erklärt Sektenmitglied Blümel ernsthaft, dass die türkise ÖVP keinen Millimeter von ihren Positionen abrücken werde.
Eine klare Ansage, keine Frage! Es ist auch das gute Recht der türkisen Partei, solch absolute Ansprüche zu stellen. Doch was kommt dadurch zustande? Seit Sonntag 18 Uhr ist die Chance, 2020 wieder zu den Wahlurnen gehen zu müssen, um einige Prozentpunkte gestiegen. Warum? Weil womöglich die (immer noch viel zu wenig) abgestraften Blauen Kurz tatsächlich die kalte Schulter zeigen. Erfolgreiche Regierungsarbeit? Geschenkt, jetzt wurden sie zertrümmert. Hatten wirklich nur Strache & Co daran Schuld? Die Hälfte der blauen Wähler beging jedenfalls Fahnenflucht zu Kurz. Die anderen wurden Nichtwähler. Die ÖVP wird nun alles bei Koalitionsgesprächen fordern und nichts geben. Keine verlockenden Aussichten. Abgesehen davon, die türkis-blaue Ex-Regierung hat 11 Mandate verloren, trotz des Erfolgs von Kurz!
Ähnliches gilt für die nur ein wenig sanfter gerupften Roten. Einzig Rendi-Wagner hat einen Absturz hin zur FPÖ verhindert! Wieso sollte sich die Verliererin SPÖ einem Kurz unterwerfen. Um die Parteibasis völlig aufzubringen und den Weg der deutschen Genossen zu kopieren? Wie soll Kurz seinen Wählern erklären, dass er mit SPÖ koaliert, wenn das doch „Stillstand“ und „Kein Weg für Neues“ ist. Also ist türkis-rot eher unwahrscheinlich, unabhängig von der Antipathie zwischen Kurz und Rendi-Wagner.
Die von so vielen in den letzten Tagen ins Treffen geführte Koalition mit den Grünen ist wohl eine herzige Wunschvorstellung. Wie soll das gehen? Wenn ein Kurz 17 Monate keine Worte der Kritik an den Provokationen von Kickl findet, aber deppert über Sigrid Maurer spricht, ihr sogar die Befähigung zur Ministerin abspricht? Die Grünen werden sich teuer verkaufen, sehr teuer. Denn gerade die Grünen haben gemerkt, wie flexibel ihre temporären Fans sein können. Da darf sich Werner Kogler nicht spielen. Eine Regierungszusammenarbeit mit Kurz würde höchstwahrscheinlich bei der grünen Basis nur Anklang finden, wenn die Grünen die Ministerien für Umwelt, Inneres und Finanzen bekommen würden, eventuell statt Finanz das Sozialministerium. Oder beides? Das kann Kurz auf keinen Fall zulassen.
Eine Minderheitsregierung kann sich Kurz ebenfalls nicht wünschen. Zu gering ist dafür der Wahlerfolg. Er hätte schon weit über 40 Prozent benötigt!
Auf jeden Fall kommen zähe Sondierungs- und Koalitionsgespräche. Kurz wird sich als überlegener Wahlsieger sehen und keine Kompromisse eingehen wollen. Das kann ein sehr böses Ende nehmen. Womöglich mit der Erkenntnis, samt seinen über 70 Mandaten keine Regierung zu schaffen. Dann wird an einem nochmaligen Urnengang kaum ein Weg vorbeiführen.
Natürlich gibt es immer noch die Möglichkeit, eine andere Partei „opfert“ sich für das Wohl des Landes. Sagen wir nach einem halben Jahr erfolglosen Gesprächen. Aber dieses „Opfer“ wird dann echt sehr teuer für Kurz.
Warten wir es ab! Es wäre nicht der erste Pyrrhussieg in der Politik seit den alten Griechen!

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