Wenn Unfaire Fairness einfordern

Die Indexierung der Kinderbeihilfe von im Ausland lebendem Nachwuchs wird von der Regierung mit „Fairness“ verkauft. Lächerlich! Denn wenn es nicht populistischer Schwachsinn für neidige Rassisten ist, müsste nach dieser Fairness ab jetzt ein Kind im Bezirk Oberwart oder Feldbach um ein Drittel weniger bekommen als ein Kind in Wien Neubau oder etwa in Salzburg Stadt! Bei gleicher Steuerbelastung der Eltern, natürlich!Ab wann ist eine Unterscheidung denn eigentlich fair? Ist es fair, dass Raucher die gleichen Krankenkassenbeiträge zahlen als Nichtraucher. Bei viel größerem Erkrankungsrisiko? Oder Fettleibige? Ist es fair, dass Menschen immer 10% Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zahlen, obwohl die einen € 890,- Monatseinkommen haben und die anderen € 3.200,- (abgesehen davon, dass türkis-blaue Figuren immer von Menschen schwafeln, die keine Steuern zahlen – also offenbar stehlen!). Ist es fair, dass Personen ab 65, egal wie viel Pension sie erhalten, immer Rabatte bekommen, Alleinerzieherinnen mit € 1.300,- Bruttolohn aber nicht; etwa Ermäßigung bei den Verkehrbetrieben?
Es gibt viele Blickwinkel, um „unfaire“ Situationen zu benennen. Die Grenze liegt wohl immer bei der eigenen Situation, Befindlichkeit sowie Gerechtigkeitssinn.  Doch so darf ein Staat nicht denken. Denn es wird niemals eine allumfassende Gerechtigkeit geben können. Ein Sozialstaat ist dazu da, diese Ungerechtigkeiten so gering wie möglich zu halten und allen eine hohe Anteilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen.
Deshalb ist jedes Kind gleich viel Wert, ob in einem „billigen Bezirk“ oder einem „teuren“.
Doch rechte Geister wie Kurz lehnen dieses bewährte Konzept offenbar ab! Sozialstaat soll anscheinend durch politisch gelenkte Wohlfahrt ersetzt werden. Der Unterschied? Bei Wohlfahrt fehlt großteils der Rechtsanspruch. Die FPÖ will einen Sozialstaat, aber nur für die „eigenen Leut’“ – und wer das ist, bestimmen die Blauen!
Doch die Indexierung der Kinderbeihilfe und des Familienbonus ist nur für eines gut: rassistische Neidkomplexe werden bei den Schlichten bedient und mit der Nebelgranate Fairness verschleiert. Das ist einfach nur mies! Und ja, in Ländern wie etwa Dänemark werden die Zahlungen höher. Geschenkt! Was diese Leute hören (wollen) ist, dass die „Zigeuner“ im Osten nun nicht mehr mit der Kinderbeihilfe im Saus und Braus leben. Steuern zahlen sie jedoch gleichviel wie Personen, deren Kinder in Skandinavien leben. Das ist nicht fair, das ist ein rechts-populistischer Witz von der Kurz-Sekte mit den rassistischen Einsprengseln.
Nur am Rande bemerkt: die Fairness-Fans Kurz und Strache halten von solchen Regeln bei sich selbst sehr wenig. Es gibt ein österreichisches Parteiengesetz, in dem Wahlkampfkosten mit einem Deckel von 7 Millionen Euro pro Nationalratswahl begrenzt werden sollen. Noch zwei Wochen vor der Wahl im Oktober 2017 beteuerte Herr Kurz, nicht dagegen zu verstoßen. Wie endete die Geschichte? Der türkise Kurz-Wahlkampf kostete beinahe das Doppelte, nämlich 13 Millionen. Der Wahlkampf der Blauen schlug mit 10,7 Millionen Euro zu Buche. Zum Vergleich: die SPÖ überzog die gesetzliche Höchstgrenze um 400.00,- Euro. Auch zuviel, aber bitte die Relationen im Auge behalten. Alle anderen blieben unter der Grenze.
Also ist Fairness ein sehr formbares Konstrukt in der Welt von Kurz und Co. Die Regeln gelten dabei nur für andere. Ein schönes Beispiel dafür, wie es ausschaut, wenn Unfaire Fairness einfordern und selbst kein Interesse daran haben.   

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