{"id":1063,"date":"2018-06-29T07:00:15","date_gmt":"2018-06-29T05:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spitzer-textkonzeption.info\/blog\/?p=1063"},"modified":"2018-06-29T07:57:37","modified_gmt":"2018-06-29T05:57:37","slug":"was-heisst-schon-freiwillig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spitzer-textkonzeption.info\/blog\/?p=1063","title":{"rendered":"Was hei\u00dft schon freiwillig?!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Eiertanz rund um den Begriff \u201eFreiwilligkeit\u201c bei Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen geht weiter. Besonders die v\u00f6llig plan- und inhaltsleere FP\u00d6 tut sich schwer, ihre Unf\u00e4higkeit innerhalb dieser Kurz-Regierung zu bedecken. Ausbesserungen der Sozialministerin durch Vizekanzler Strache zeigen das wahre Bild der \u201esozialen Heimatpartei\u201c. Doch was bedeutet diese Freiwilligkeit in der Praxis bei geltendem Recht?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war etwa ein begeisterter Volkssch\u00fcler und ging dort mehrere Wochen auch wirklich freiwillig hin. Dann kam ich dahinter, dass diese Freiwilligkeit nur scheinbar gegeben war. Denn pl\u00f6tzlich musste ich auch in die Schule, obwohl ich viel Besseres zu tun gehabt h\u00e4tte. Die Schulpflicht schr\u00e4nkte die Freiwilligkeit komplett ein. Analog dazu die Situation f\u00fcr M\u00e4nner mit Wehrpflicht oder Zivildienst. Nebenbei die einzigen auf Zwang basierenden \u201eArbeitsverh\u00e4ltnisse\u201c.<br \/>\nSo viele \u201efreiwillige Aktionen\u201c m\u00fcssen Menschen in diesem Land tun, die aber tats\u00e4chlich Zw\u00e4ngen unterliegen, vor allem gesellschaftlichen oder famili\u00e4ren. Bei vielen k\u00f6nnen es sich die Betroffenen gar nicht leisten, diese Freiwilligkeit abzulehnen. Und wenn, folgen zumeist irgendwelche unangenehmen Konsequenzen.<br \/>\nAber nun zu den unselbst\u00e4ndig Erwerbst\u00e4tigen. Nur zum Beginn sei gesagt, dass in einer Demokratie wie \u00d6sterreich wohl jedes Arbeitsverh\u00e4ltnis auf \u201eFreiwilligkeit\u201c beruht (Ausnahme Pr\u00e4senz- od. Zivildienst). Jeder Chef hat das gute Recht, seinen Angestellten die Worte \u201eSie sind freiwillig hier! Wenn es nicht passt, brauchen Sie hier ja nicht zu arbeiten!\u201c an den Kopf\u00a0 zu werfen. Soweit, so klar.<br \/>\nWeiter zu den Aktionen, die Freiwilligkeit suggerieren. Ich arbeite freiwillig l\u00e4nger und alles ist paletti. Daf\u00fcr m\u00fcssen die jetzigen 10 Stunden t\u00e4glich aber eigentlich v\u00f6llig ausreichen.<br \/>\nDiese Freiwilligkeit ist in vielen Betreiben allerdings \u201eerwartet\u201c. Vor allem in den Dienstleistungsbereichen wird das Absolvieren reiner Normalarbeitszeit als zu \u201ewenig leistungsorientiert\u201c oder schlicht \u201eals nicht kompatibel mit der internen Leistungspolitik\u201c verunglimpft. Da ist dann die Freiwilligkeit, einige Stunden mehr zu arbeiten, schon in einer Grauzone. Wer stellt sich denn l\u00e4nger dem Gerede und sozialem Druck der Kollegen, nach 8 Stunden (und bei vollst\u00e4ndig erledigter Arbeit) v\u00f6llig berechtigt zu gehen?<br \/>\nAuch wird erwartet, freiwillig bei allen m\u00f6glichen Firmen-Events (ohne \u00dcberstundenabrechnung) teilzunehmen oder sogar die Arbeitskraft daf\u00fcr einzusetzen. Nat\u00fcrlich auf freiwilliger Basis! Sozialer Druck ist ja eine Erfindung der links-linken Propaganda. Sprechen Sie mit Menschen, die sich mehrfach weigern, an diesen Events teilzunehmen und auf ihre Freiwilligkeit pochen \u2013 sie werden gemobbt, zuerst von den Kollegen, dann sogar vom Vorgesetzten (und ich spreche hier nicht \u00fcber den einmaligen Betriebsausflug im Jahr und die Weihnachtsfeier!).<br \/>\nWird diese Freiwilligkeit dann allerdings mit der Ausdehnung auf m\u00f6gliche 12 Stunden am Tag gesetzlich vorgeschrieben, beginnt das Rechtfertigungsdilemma. Laut Strache reicht dann ein \u201eIch mag nicht, warum geht Sie \u00fcberhaupt nichts an, Chef!\u201c v\u00f6llig aus!<br \/>\nWenn Strache wirklich glaubt, was er da verzapft, ist dieser Altpoltiker noch lebensfremder als erlaubt! Bitte alle aufzeigen, die ihrem Vorgesetzten per Ablehnung mehr als dreimal die kalte Schulter oder den symbolischen Mittelfinger zeigen und glauben, den Job zu behalten! Denn dieses Recht hat jeder Arbeitgeber jederzeit, solange er sich an gesetzliche K\u00fcndigungsfristen h\u00e4lt. Somit ist die freiwillige Bereitschaft zur Mehrstundenleistung nichts anderes als ein weiteres Druckmittel der Arbeitgeber auf die Arbeitnehmer, noch dazu, wenn es ohne Korrektiv von Betriebsrat eingesetzt werden kann.<br \/>\nFreiwilligkeit ist ein gef\u00e4hrliches Wort mit noch gef\u00e4hrlicherem Inhalt. Es wiegt die intellektuell Schlichten in eine tr\u00fcgerische \u201eSelbstbestimmtheit\u201c, die au\u00dferhalb der Freiwilligenarbeit praktisch niemals existiert. Das sollten alle, die mit diesen Begriffen hantieren, immer bedenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Eiertanz rund um den Begriff \u201eFreiwilligkeit\u201c bei Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen geht weiter. Besonders die v\u00f6llig plan- und inhaltsleere FP\u00d6 tut sich schwer, ihre Unf\u00e4higkeit innerhalb dieser Kurz-Regierung zu bedecken. 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