Weltfrauentag: Weibliche Lebenswelten zwischen Aufbruch und Selbstaufopferung

Der nächste Weltfrauentag. Immer noch verdienen Frauen um bis zu 21% weniger, leisten überwiegend die komplette Haushaltsführung samt Kindererziehung und opfern wegen vermeintlichem Familienglück ihre Karriere. Es gibt zwar mehr engagierte Vater und Männer, aber immer noch viel zu wenige. Zu viele Frauen belügen sich selbst und andere unter dem Motto „Mir geht’s doch eh gut!“, auch wenn es so gar nicht stimmt! Der Feminismus? Ist gefangen in einer Zwickmühle zwischen Erreichtem und Perspektivenlosigkeit. In der Zwischenzeit werden Frauen immer noch oft nicht „ernst genommen“.
Alle sind natürlich für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Vor allem die recht(sextrem)en Gruppierungen erkennen die Gefahr der Frauenemanzipation durch böse Moslems. Das Frauenvolksbegehren erreichte 2018 eine beachtliche Anzahl an Unterstützung. Dass eine Petition, darunter gegen Gewalt, Ausbeutung und gerechter Teilhabe an der Gesellschaft allerdings nicht von etwa 2 Millionen Menschen unterstützt wird, zeigt, wie schwierig der Diskurs ist und wie hartnäckig Stereotypen.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Seit Jahrzehnten unerfüllt von Gewerkschaft und Wirtschaft gleichermaßen. Die berühmte „Gläserne Decke“ hat Sprünge bekommen, fort ist sie nicht. Im Grunde heißt es für einen Großteil der Frauen, sich zu entscheiden: Karriere oder Kinder. Beides geht nur in ganz seltenen Fällen, am ehesten in Ballungsräumen und Großstädten.
Kindergartenplätze außerhalb Wiens sind 2019 bestenfalls suboptimal in Bezug auf Schließtage und Öffnungszeiten. Noch schlimmer wird es aber dann, wenn das Kind in die Volksschule kommt!
Zu lange Karenzzeiten, viel zu lange Teilzeitbeschäftigung und Rücksicht auf die (finanziell tatsächlich erfolgreichere) Karriere des Mannes bringt später die unvermeidliche Altersarmut für Frauen. Das Pensionssplitting ist da eine gute Option und wird schön langsam auch von immer mehr verantwortungsvollen Partnern ermöglicht. Aber immer noch viel zu wenig. Und gefährliche Verlockungen wie der Familienbonus lassen erneut jüngere Frauen in eine Falle tappen – den größten Gewinn gibt es in der Kombination einer arbeitet und eine bleibt daheim. Schwer zu erraten, wer in einer Beziehung was tut.
Sind die Kinder aus dem Haus, kommt meist nach wenigen Jahren der wirtschaftlichen Erholung für Frauen die nächste (unentgeltliche) Tätigkeit auf sie zu: Pflege! Ob die eigenen Eltern oder Schwiegereltern, manchmal der Partner. Auch hier liegt die Hauptlast bei den Frauen. Nebenbei, der 12h Tag ist gerade für die meisten Frauen eine einzige Provokation, egal, wie „freiwillig“ das ganze Konstrukt ist!
Gleichzeitig sehen Feministinnen eine ganze Generation von jungen Frauen heranwachsen, die plötzlich mit den Ansprüchen des „klassischen“ Feminismus wenig anfangen können. Es wird nötig sein, die Ansprüche und Versprechungen des Feminismus, der im Grunde eine Verbesserung für alle Mitglieder einer Gesellschaft beinhaltet, neue Impulse für eine direkte Relevanz in der Digitalen Welt des 21.Jhd. zu schaffen.
Denn viel zu viele, vor allem junge Frauen, sehen ihre Mütter: beruflich und privat gestresst, womöglich ohne Partner und mit wenigen Perspektiven für die Zukunft. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Emanzipation samt eingebettetem Feminismus für die Generation der „Millennials“ (Anm.: Personen, geboren in den 1980er Jahren) versagt hat. Die hart erkämpften Errungenschaften der Vergangenheit zählen nicht, das ist nun einmal so. Und (zu) viele tappen in die Falle: mir passiert das sicher nicht! Bis sie selbst vor der Karriere/Kinder Entscheidung stehen.
Es ist Aufgabe von uns allem, auch und vor allem den Männern, den Weltfrauentag nicht nur auf den Lippen zu tragen. Frauen als gleichrangig zu sehen. Nicht immer den „Pupperln“ die Welt erklären. Nicht immer „Ist ja eine Frau!“ mitdenken bei allen unpassenden Gelegenheiten.
Aber auch die falsche Rücksichtnahme muss aufhören: Mann darf Frauen ruhig sagen, wenn etwas nicht passt. Mann darf und soll Frauen, wenn berechtigt, kritisieren können. Denn solche Kritik zeigt auch Wertschätzung. Beim „Tschapperl“ ist eh alles wurscht. Gelebtes „ernst nehmen“ von Frauen muss einfach stärker in der Gesellschaft verankert sein. Dann klappt es schlussendlich auch mit Anerkennung, Gehaltsgleichheit und Partnerschaften auf gleicher Augenhöhe.

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