Pamela Rendi-Wagner als Hoffnung und Provokation für die SPÖ

Ich persönlich halte Pamela Rendi-Wagner für tatsächlich befähigt, die Roten aus ihrem momentanen Jammertal zu holen. Doch schon nach den ersten Stunden zeigt sich, dass es in der SPÖ immer noch einige gibt, die keine Ahnung haben, wie im Moment der Hase außerhalb ihrer Funktionärs-Pfründe läuft.

Pamela Rendi-Wagner ist firm in allen Themenbereichen, die in den nächsten 12 – 18 Monaten die Bevölkerung tangieren werden. Das sind nicht „die Ausländer mit dem Islam“, sondern die Krankenkassenreform, die keine ist, die Beschneidung des Sozialstaates und die flächendeckende Verschlechterung der Gesundheitssituation in Österreich für alle, die keine Zusatzversicherung haben.
Rendi-Wagner ist genau in diesen Bereichen eine unbestrittene Expertin. Damit unterscheidet sie sich wohltuend von der wirklich unglaublich dilettantischen Ministerriege samt Kurz und Strache. Sie hat als erste Frau an der Spitze der SPÖ die Chance, die immer als Lippenbekenntnisse von 90% der Funktionäre propagierte Gleichstellung von Frauen und Männern wirklich mit Leben zu füllen. Sie kann eine sehr breite Wählerschicht von Personen ansprechen, denen die Grünen zu links-chaotisch und die NEOS zu rechts-gefährdet sind.
Doch hier setzt schon das Problem für Rendi-Wagner ein: viele in der SPÖ werden sie nicht gewähren lassen wollen. Und das aus mehreren Gründen.
Zunächst einmal ist sie eine Frau! Ein schwerwiegender Nachteil bei vielen der Genossen. Aber das wäre das kleinere Übel, wenn sich Rendi-Wagner nicht erfrecht hätte, auf diverse Landesorganisationen zu verzichten. Eine Majestätsbeleidigung für den Funktionärsapparat, noch dazu, wenn Wien eh schon so offensichtlich die besorgten Unterstützungserklärungen mit dem gewetzten Messer hinterm Rücken in die Welt hinausposaunt. Auch die Missachtung der „Menschen, die in Fußballstadien ein Bier trinken“ durch die Einsetzung von Thomas Drozda lässt politische ZwergInnen rot vor Zorn sehen. Dies wird aus der Steiermark mit den Worten „Thomas, du bist ein Bobo“ vergolten. Somit steht es jetzt bei der SPÖ so wie seit Jahrzehnten bei den Schwarzen: der größte Feind des Chefs sind die eigenen Parteimitglieder.
Pamela Rendi-Wagner wird es schwer haben, ihre Sicht auf die SPÖ den restlichen Apparatschiks begreiflich zu machen. Notfalls bleibt sie ein Fremdkörper, geholt vom gescheiterten Kern. Keine Hausmacht zu besitzen bedeutet großteils, keine gut dotierten Posten mit Profilierungschancen zu vergeben. Doch genau das will der Wähler außerhalb einer SPÖ-Sektion nicht sehen. Das war das Dilemma der ÖVP, das durch Kurz im Moment beendet wurde. Aber offenbar haben es die roten Genossen einfach immer noch nicht begriffen!
Die Strategie, irgendeinen der rassistischen Wähler von der FPÖ zurückzuholen, ist keine. Diese Leute sind verloren – es braucht keine Strategie für die politische Resozialisierung von Menschen, die immer bei den anderen die Schuld suchen und jedem Blödsinn zujubeln, solange die eigenen Rassismen und Vorurteile unterstützt werden. Der Zug ist, vor allem am Land, somit in den nächsten Jahren abgefahren. Der Glaube an Islamisierung, Ausländerkriminalität und „die nehmen uns was weg“ ist gerade dort so stark, wo es praktisch keine Migranten gibt. Da helfen keine vernünftigen Argumente. Diese Leute werden Rot erst dann wieder wählen, wenn sie endlich selbst draufkommen, dass die hohen Lebenskosten, fehlende Infrastruktur von Arzt bis Verkehrsmittel, mangelnde Kinderbetreuung und fehlende Zukunftsperspektiven am Land ihre wahren Probleme sind!
Die roten Recken mit dem tendenziellen Rechtsblinken müssen endgültig einsehen, dass erfolgreiche Wahlen mit den Menschen gewonnen werden, die vor den anti-demokratischen Frechheiten der Regierung Kurz zurückschrecken. Die keinen Burschenschafter als Präsident wollten! Die darauf warten, dass die momentanen Worthülsen von Chancengleichheit, Aufstiegsmöglichkeit bei Leistungsbereitschaft und gelebter Solidarität wieder mit sozialdemokratischem Leben gefüllt werden.
Ob es Pamela Rendi-Wagner schafft, wird sich zeigen. Doch wenn manche Leute glauben, eine Wahlauseinandersetzung auf Bundesebene mit einem Doskozil an der Spitze werde besser laufen als mit Rendi-Wagner – sie haben einfach nichts verstanden.
PS: In den ersten Umfragen explodieren die Zustimmungszahlen für die Ärztin förmlich: auch wenn das alles natürlich nur sehr eingeschränkt Relevanz hat. So liegt Rendi-Wagner in manchen Polit-Barometern sogar gleichauf mit Kurz.

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